Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,
die Schulkonferenz hat in ihrer Sitzung am 08.10.2025 beschlossen, die bis dato bestehenden Regeln zum Umgang mit Smartphones auszuschärfen:
1. Auf dem Schulgelände und im Schulgebäude schalten die Schüler*innen der Jahrgänge 5-10 ihr Smartphone aus.
2. Die Schüler*innen der Jahrgänge 11-13 dürfen ihr Smartphone im Oberstufenbereich außerhalb des Unterrichts nutzen, nicht aber im Rest des Schulgebäudes. Vor dem Unterricht legen die Schüler*innen ihr Smartphone auf einem Tisch im Raum ab bzw. verstauen es in einer sog. „Handy-Garage“. Sollten die Oberstufen-Schüler*innen in größerem Maße ihre Smartphones auch außerhalb des Oberstufenbereichs nutzen, werden in der Oberstufe auch die Regeln für die Nutzung in den Jahrgängen 5-10 eingeführt. Diese Regelung wird im Oktober 2026 evaluiert.
3. Schüler*innen, die gegen die Handy-Regelungen der Schule verstoßen, müssen ihr Smartphone aushändigen. Nach dem ersten Verstoß können sie selbst das Gerät nach Schulschluss (Mo-Do 15:50 Uhr, Fr 12:25 Uhr (Jg. 5-10) bzw. 13:30 Uhr (AG) bzw. 16:00 Uhr (Jg. 11-13)) abholen. Ab dem zweiten Verstoß kann das Smartphone nur von einem Erziehungsberechtigten im Sekretariat abgeholt werden. Sollte auch dies keine Wirkung zeigen, können bei wiederholten Verstößen Ordnungsmaßnahmen nach § 53 SchulG ergriffen werden. – Diese Regelung gilt jeweils für ein Schulhalbjahr.
4. In sog. Intensivwochen – vergleichbar den Blitzerwochen auf den Straßen – kontrollieren die Kolleg*innen besonders intensiv, ob die Regelungen eingehalten werden.
Diese Regelungen treten mit dem heutigen Tag (18.11.2025) in Kraft.
Die Mitglieder der Schulkonferenz bitten alle Eltern und Lehrer*innen, diese Regelungen mit klarer Konsequenz umzusetzen.
Die Schulkonferenz weist die Eltern auch auf die Möglichkeit hin, mithilfe von geeigneten Apps wie z.B. Family Link1, den Handygebrauch der Schüler*innen pädagogisch zu begleiten: In solchen Apps können Eltern (auch gemeinsam mit ihren Kindern) Regeln und Zeiten für den Gebrauch der Smartphones festlegen.
Erläuterungen zum Sinn und Hintergrund:
Sie werden sicherlich immer einmal wieder im Gespräch mit Ihren Kindern über die Art und Dauer der Nutzung von Smartphones und den Umgang mit den sozialen Netzwerkern sowie dem Internet sein. Vermutlich werden Sie auch die seit mehreren Jahren andauernde Diskussion über die wissenschaftlich untersuchten Auswirkungen der Smartphone-Nutzung sowie der Digitalisierung auf die Konzentrationsfähigkeit, das Lernen, das soziale Verhalten sowie generell auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verfolgen.2 So haben skandinavische Länder, die die Digitalisierung der Schulen deutlich intensiver als wir betrieben haben, inzwischen eine Kehrtwende vollzogen und den Fokus wieder verstärkt auf das analoge Lernen gelegt.3 Auch in unserem Land haben einzelne Bundesländer, wie z.B. Hessen, mittlerweile landesweit ein Verbot der privaten Nutzung von Smartphones in Schulen ausgesprochen, so wie auch das Rauchen an allen Schulen aus gesundheitlichen Gründen untersagt ist.
Auch Nordrhein-Westfalen hat inzwischen reagiert und die Schulen aufgefordert, bis zum Herbst dieses Jahres die jeweils geltende Handy-Regelung zu evaluieren. Dies haben wir in den Mitwirkungsgremien unserer Schule (Schulkonferenz, Schulpflegschaft, Schüler*innenparlament, Lehrer*innenkonferenz) getan. Die überwältigende Mehrheit der beteiligten Eltern, viele Kolleg*innen, aber auch eine größere Anzahl von Schüler*innen zeigen sich dabei nachdenklich oder besorgt.
– Da unser Motto seit 2013 „Kreide und Tablet“ lautet, wir die Digitalisierung der Schule nie als ein Allheilmittel angesehen haben und es uns weiterhin wichtig ist, dass die Schüler*innen mit Stiften schreiben und analoge Bücher lesen können, richtet sich die Kritik nicht generell gegen die Digitalisierung – im Gegenteil, die Schüler*innen sollen den Umgang mit Office-Programmen erlernen, sich kompetent im Internet orientieren und verantwortungsvoll mit den sozialen Netzwerken umgehen können. Das steht außer Frage.
– Auch der kompetente Umgang mit der Künstlichen Intelligenz ist ein wichtiges Bildungsziel. Doch bei dieser Frage ist das Bild schon weniger eindeutig. Die KI stellt gegenwärtig Schulen und Universitäten vor große Herausforderungen: Einerseits war es noch nie so einfach, sich eine Hausaufgabe oder Facharbeit erstellen zu lassen. Andererseits bedeutet das automatische Erstellen einer Hausaufgabe oder Facharbeit noch nicht, dass die Schüler*innen auch verstehen, was ihnen Chat GPT & Co gerade erstellt hat. Wie gelingt es uns, dafür zu sorgen, dass sich die Schüler*innen intensiv und kritisch mit den von der KI generierten Ergebnissen beschäftigen, diese wirklich verstehen und beurteilen können?
– Unsere Schulordnung formuliert recht unmissverständlich: „Auf dem Schulgelände und in der Schule schalten die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I ihr Handy aus.“ Genauso unmissverständlich ist allerdings die Rückmeldung, dass die meisten Schüler*innen seit den Zeiten der Corona-Warn-App ihr Handy in der Schule eingeschaltet lassen. Fast alle Vertreter*innen der Eltern in der Schulpflegschaft, die große Mehrheit des Kollegiums, aber auch eine größere Anzahl an Schüler*innen sieht darin einen Anlass zur Sorge. Dabei geht es diesmal nicht in erster Linie um den Datenschutz oder heimliches Filmen etc., sondern um die negativen Auswirkungen des jederzeit präsenten Smartphones (und der untergründigen und ununterbrochenen Kommunikation über soziale Netzwerke) auf die Konzentration, das Lernen, das Sozialverhalten und die seelische Gesundheit unserer Schüler*innen.
Vor diesem Hintergrund haben die Eltern in ihrer Pflegschaftssitzung am 05.06.2025 mit überwältigender Mehrheit (fast einstimmig) die Initiative ergriffen und den Antrag gestellt, dass die Schule ein System einführt, mit dem sichergestellt ist, dass die Schüler*innen während der Schulzeit nicht auf ihr Handy zugreifen können. Nach längerer Diskussion haben die Mitglieder der Schulkonferenz am 12.06.2025 diesen Antrag einstimmig (auch sämtliche Schüler*innen!) angenommen.
Frau Lockemann, die Vorsitzende der Schulpflegschaft, hat umgehend ein Exemplar einer sog. „Handy-Tasche“ zur Erprobung besorgt, Mitglieder der Schulleitung haben Firmen und andere Schulen mit solchen „Handy-Safes“ kontaktiert und Kolleg*innen Erfahrungen an anderen Schulen eingeholt. Die „Handy-Safes“ besitzen den großen Vorteil, dass jede Schüler*in ihr Handy weiterhin bei sich trägt, die Signale aber unterbunden werden. Zudem versicherten uns die Herstellerfirmen, dass ihre „Handy-Safes“ nur mit den eigenen Magnetöffnern geöffnet werden können. Die „Handy-Safes“ lassen sich zu Beginn der ersten Unterrichtsstunde in kürzester Zeit schließen und am Ende der letzten Unterrichtsstunde ohne großen Zeitverlust für den Unterricht ebenso wieder öffnen. – Die Lösung schien sehr erfolgversprechend. Wir hatten Sie zu Beginn des Schuljahres schon darauf aufmerksam gemacht, dass die Schüler*innen vermutlich zum Beginn des zweiten Halbjahres einen solchen „Handy-Safe“ für ca. 15 € benötigen. Im September hat sich dann ein „Forschungsteam“ von naturwissenschaftlich versierten Kolleg*innen der Sache angenommen und schließlich herausgefunden, dass sich die vermeintlich völlig sicheren „Handy-Safes“ mit täuschend ähnlichen Magneten, die online bereits für 15 € erhältlich sind, öffnen lassen.
In der Schulkonferenz am 08.10.2025 haben wir diesen Erkenntnissen Rechnung getragen und beschlossen, eine Arbeitsgruppe zu bilden und andere wirksame Systeme zu suchen. Zudem hat die Schulkonferenz mit großer Mehrheit beschlossen, auf einen Regelverstoß gegen die Handyregelung mit größerem Nachdruck zu reagieren. Die ausgeschärften Regelungen finden sich zu Beginn des Briefes.
Die Mitglieder der Schulkonferenz würden sich freuen, wenn Sie die mit großer Mehrheit beschlossenen Maßnahmen deutlich unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Heintges, Schulleiter
1 Vgl. z.B. https://praxistipps.chip.de/google-family-link-einrichten-so-gehts_118824
2 Vgl. z.B. https://www.deutschlandfunkkultur.de/smartphone-wirkung-auf-konzentration-und-psyche-100.html; https://kw.uni-paderborn.de/forschung/nachricht/handy-aus-gehirn-an-paderborner-studie-zur-auswirkung-von-smartphones-auf-die-aufmerksamkeit; https://link.springer.com/article/10.1007/s35834-024-00417-w; https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/news/2025/weniger-zeit-am-smartphone-verbessert-die-psychische-gesundheit.html
3 Vgl. z.B. https://www.sueddeutsche.de/politik/digitalisierung-daenemark-schule-handy-pisa-tablet-1.6344670; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/schweden-schulen-buecher-100.html; https://digital-magazin.de/digitalisierung-schulwesen-schweden/